Kinderimpfung gegen Coronavirus – Eine kinderärztliche Sicht

Über den Autor

Dr. Wolfgang Eberl ist stellvertretender Chefarzt und leitender Oberarzt der Kinder und Jugendmedizin sowie Päd. Onkologie & Hämatologie und Hämostaseologie im Klinikum Braunschweig

Natürlich sehen wir Kinderärzte uns immer mal wieder mit Anfragen von zerstrittenen Trennungseltern konfrontiert, wenn es um die Kinderimpfung gegen Covid geht.

Ich kann jedoch nur im individuellen Einzelfall dazu beitragen, die Frage zu beantworten, ob ein Kind ein erhöhtes gesundheitliches Risiko im Zusammenhang mit einer Impfung hat.

Grundsätzlich gilt die Empfehlung der Ständigen Impfkommission als adäquate gutachterliche Stellungnahme. Insofern ist eine Vorstellung beim Kinderarzt nur dann von einer gewissen Bedeutung, wenn davon abgewichen werden soll.

Wenig sinnvoll erscheint mir, die Verantwortung für eine Impfung generell auf Kinderärzte verlagern zu wollen, denn da tun sich dann jede Menge neuer Fragen auf, wie z.B. die:

Welcher Kinderarzt soll denn überhaupt als vertrauenswürdig gelten?

Schließlich ließe sich allein in Braunschweig jederzeit ein Kinderarzt finden, der grundsätzlich für oder gegen Impfungen ist.

Will man im Einzelfall eine solche Frage gewissenhaft beantworten, so müssten auch die individuellen sozialen Aspekte berücksichtigt werden, die ggfs. aus einer möglichen Quarantäne resultieren.

Wie ist im Einzelfall ein Schulausfall oder die Notwendigkeit eines möglichst kontinuierlichen Schul- oder Kindergartenbesuchs zu bewerten?

Wie der Nutzen einer Kinderimpfung für alte oder kranke Familienmitglieder?

Es ist traurig und hilft Kindern wenig, wenn diese Frage auf ein rein medizinisches Problem eingedampft und deren Beantwortung dem behandelnden Kinderarzt aufgebürdet werden soll.

Wir wünschen uns mehr psychosoziale Kapazitäten, um diesen Konflikt mit den betroffenen Eltern therapeutisch so beleuchten und als Türöffner für die Wiederaufnahme von Gesprächen mit betroffene Familien nutzen zu können.

Oft ist die strittige Frage der Kinderimpfung nur die Spitze vom Eisberg einer zerrütteten Kommunikation zwischen getrennten Eltern.

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