Ostern und andere Katastrophen

  • Beitrags-Kategorie:Allgemein / Feiertage
  • Lesedauer:3 min Lesezeit

"Wie selten gab es sie tatsächlich, diese Bilderbuch-Momente, in denen alles stimmte."

Ja, ich habe gelernt, aufzuhorchen, sobald sich in meinem Kopf, in meinen Gedanken, das Wort „sollte“ zusammenbraut. Eine Mutter sollte – ein Vater sollte – eine Familie sollte…

Ganz besonders anfällig bin ich dafür an den Feiertagen. Ostern zum Beispiel.

Denn dann bin ich wieder unterwegs im Land meiner Erwartungen und Sehnsüchte. Dann scheint die Sonne auf unseren Garten oder im Park auf eine gitzegrüne Wiese. Unsere Kinder tollen glücklich herum,  suchen bunte Ostereier und Schoko-Häschen. Daneben kann dann die raue Trennungs-Wirklichkeit kaum mehr bestehen.

Dann versuche ich den Realitätscheck.

Ich versuche mich zu erinnern, wie wir die letzten Osterfeiertage in unserer vermeintlich noch intakten Familie zusammen verbracht haben.

Das erste, was mir dazu einfällt,  ist das Wort „Stress“ und kurz darauf schon  meine Enttäuschung, meine Resignation darüber, dass dieser ganze Feiertagswahnsinn doch wieder an mir hängen bleiben würde.

Einkaufen, backen, kochen, die Erwartungen der Kinder dämpfen, wenn sie über allzu große Geschenke zu spekulieren begannen.

Im letzten Jahr vor unserer Trennung hat es zu allem Überfluss auch nochgeregnet. Kalt und grau war es. Die Feiertage über haben wir im Haus verbracht, gute Miene heuchelnd, schweigsam Gesellschaftsspiele gespielt. Jeder hat sich seinenRückzug gesucht. Anstrengend!

Wie selten gab es sie tatsächlich, diese Bilderbuch-Momente, in denen alles stimmte.

Und doch sind es genau diese kurzen Momente, indenen meine Sehnsüchte Wirklichkeit wurden. Es sind diese Momente, diese selbstverständlichen, alltäglichen kurzen Momente, die ich so schmerzhaft vermisse, dass sie noch heute für einen Augenblick alles andere überlagern.

Inzwischen weiß ich, dass dieser durchdringende Schmerz nicht lange anhält, weil das, was ich dafür in Kauf nehmen müsste, so schal und bitter ist, dass ich das nicht wiederhaben will.

Wir haben uns darauf verständigt, dass wir abwechselnd Ostersonntag und Ostermontag mit unseren Kindern verbringen. Wenn Markus die Kinder abholt, dann flammt er immer noch mal auf, der Schmerz meiner enttäuschten Erwartung. 

Immerhin brauche ich dann nicht zu kochen, und es gelingt mir immer besser, mich über diesen freien Nachmittag zu freuen.

Was mir hilft, ist die Erfahrung, dass auch solche Tage vorübergehen.

Und manchmal denke ich, dass es in den beiden letzten Jahren vor unserer Trennung viel schmerzhafter war als jetzt, wo meine Erwartungen erst gar nicht mehr so riesengroß sind.

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