KOENIG_250„…Befragt man Dreijährige nach ihren Heiratswünschen, so antworten Mädchen in der Regel: „meinen Papa!“, und die Jungen: „meine Mama natürlich!“

Für Trennungskinder dieses Alters ist diese Situation besonders heikel. Wie wir bereits gesehen haben, neigen sie dazu, sich tendenziell für die Trennung ihrer Eltern verantwortlich zu fühlen. Erfahren sie durch eine einfühlsame Umwelt keine behutsame Auflösung dieses Schuldgefühls, so sind sie damit schon einmal grundsätzlich völlig überfordert. Wenn dann der Vater auch noch aus dem gemeinsamen Haushalt auszieht, dann kann man sich vorstellen, dass dies Jakobs Schuldgefühl einerseits noch steigern könnte, andererseits könnte er aber auch (so wie es für diese Entwicklungsphase typisch ist) so etwas wie einen stolzen, etwas größenwahnsinnigen Triumph empfinden, als Sieger aus der Konkurrenz mit dem Vater hervorgegangen zu sein, weil der das Feld räumt. …“

Jakob oder das Kindergartenalter

Anna erfährt in dieser Sitzung viel über typische Bedürfnisse, Konflikte, Ängste und Wünsche von Kindergartenkindern, die alle auch um die zentrale Entwicklungsaufgabe des Erwerbs der geschlechtlichen Identität kreisen.

Sie erkennt, warum sie Jakobs Wunsch, den Platz seines Vaters einnehmen zu wollen, nicht erfüllen sollte und versteht mit einem Mal, warum Jakob im Kindergarten neuerdings dadurch auffällt, dass er so reizbar und ständig in Raufereien verwickelt ist.

Schließlich stellt sie fest, dass ihre Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen ihrer Kinder ihr auch einen Einblick in ihre persönliche Entwicklung gewährt und erklärt, warum sie oft so reagiert, wie sie reagiert.