BABEL_250-2In dieser Sitzung erfährt Anna, wie sie mit ihren Kindern über ihre Trennung sprechen kann, wenn sie vermeiden will, dass diese Gespräche diese verunsichern oder ängstigen.

Im humorvollen Rollenspiel  entwickelt sie  eigenständig Grundsätze für eine fruchtbare und angemessene Gesprächsführung mit ihren Kindern.

Sie übt sich im Formulieren von Ich- Botschaften und erarbeitet mit meiner Unterstützung  Kriterien, an denen sie sich bei Gesprächen mit Maya und Jakob im Zusammenhang mit ihrer Trennung orientieren kann.

 

Wie sag ich’s meinem Kinde?
Schon Erich Kästner hat sich dazu im "Doppelten Lottchen" geäußert:

… „Wertgeschätzte kleinere und größere Leserinnen und Leser! Jetzt wird es, glaube und fürchte ich, allmählich Zeit, dass ich auch ein wenig von Luises und Lottes Eltern berichte, vor allem darüber, wie es seinerzeit zu der Scheidung zwischen ihnen kam. Sollte euch an dieser Stelle des Buches ein Erwachsener über die Schulter blicken und rufen: „Dieser Mensch! Wie kann er nur, um alles in der Welt, solche Sachen den Kindern erzählen!“, dann lest ihm, bitte, das Folgende vor:

Als Shirley Temple ein kleines Mädchen von sieben, acht Jahren war, war sie doch schon ein auf der ganzen Erde berühmter Filmstar, und die Firmen verdienten viele Millionen Dollar mit ihr. Wenn Shirley aber mit ihrer Mutter in ein Kino gehen wollte, um sich einen Shirley–Temple-Film anzuschauen, ließ man sie nicht hinein. Sie war noch zu jung. Es war verboten. Sie durfte nur Filme drehen. Das war erlaubt. Dafür war sie alt genug.

Wenn der Erwachsene, der euch über die Schulter guckt, das Beispiel von Shirley Temple und den Zusammenhang mit Luises und über Lottes Eltern und ihrer Scheidung nicht verstanden hat, dann richtet ihm einen schönen Gruß von mir aus, und ich ließe ihm sagen, es gäbe auf der Welt sehr viele geschiedene Eltern, und es gäbe sehr viele Kinder, die darunter litten! Und es gäbe sehr viele andere Kinder, die darunter litten, dass die Eltern sich nicht scheiden ließen! Wenn man aber den Kindern zumutete, unter diesen Zuständen zu leiden, dann sei es doch wohl allzu zartfühlend und außerdem verkehrt, nicht mit Ihnen darüber in verständiger und verständlicher Form zu sprechen!“… [1]

[1] Erich Kästner: Das doppelte Lottchen. Hamburg und Wien 1984, S. 55ff.