Reden ist Silber…

"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!"

Hanna, eine Trennungsmutter berichtet:

Wir waren 10 Jahre verheiratet und in dieser Zeit habe ich mich resigniert daran gewöhnt, dass seine Arbeitszeiten – auch an den Wochenenden – unseren Lebensrhythmus bestimmten.

Ich habe mich schon damals sehr darüber geärgert, dass sein Job immer an der ersten Stelle stand. Er verlangte von uns volle Flexibilität, ist oft kurzfristig für KollegInnen eingesprungen, und wir mussten dann lange geplante Unternehmungen absagen oder verschieben. 

Wenn ich mich aufgeregt habe, dann bekam ich zur Antwort, wir lebten doch sehr gut von seiner Arbeit.

 

Ich war so mit mir selbst und der neuen Situation nach der Trennung beschäftigt – und wohl auch so daran gewöhnt – dass ich gar nicht richtig bemerkt habe, wie sich dieses Verhalten einfach fortsetzte.  Er brachte die Kinder von seinem Wochenende zurück und sagte mir erst dann, wann er sie das nächste Mal abholen würde. 

Oft bekamen wir dann Samstagvormittag Bescheid, dass er doch arbeiten müsse. Ich regte mich jedes Mal fürchterlich auf, die Kinder nahmen es jedoch mit einer erstaunlichen Gelassenheit. Ich erinnere mich, dass Yannik, unser mit seinen sieben Jahren Jüngster, hinter mir stand, als ich mit seinem Vater telefonierte. Er sah mich an und sagte sachlich, ja beinahe gelangweilt: „Papa muss arbeiten?“. Als ich nickte, zuckte er nur die Achseln, drehte sich kommentarlos um und ging zurück in sein Zimmer.

Als ich das in der Beratung, die ich seit meiner Trennung regelmäßig wahrnahm, besprach, wurde mir klar, dass ich Ernst, meinen Ex,  wohl kaum ändern würde. Der einzige Mensch, den ich ändern konnte, das war ich selbst. Ich hatte die Wahl: Ich konnte weiter nach seinen Regeln mitspielen, mich weiter nach ihm richten oder mein eigenes Leben unabhängig von ihm planen und organisieren.

Von nun an traf ich meine Entscheidungen ohne auf eine Info zu warten, wann er die Kinder holen wollte. Als er mir wie gewohnt den nächsten Termin mitteilte, sagte ich ihm, dass wir just an diesem Wochenende nicht daheim sein würden. Merkwürdigerweise blieb der von mir befürchtete Konflikt aus. Er nahm das einfach zur Kenntnis und sagte, er werde sich dann wieder melden.

Das funktioniert inzwischen gut. Er meldet sich, und dann passt es, oder es passt nicht.

Wenn ich selbst ein Wochenende ohne Kinder plane, dann gucke ich, ob sich die Kinder verabreden können. Ansonsten habe ich das Glück, dass meine Mutter einspringt, wenn er mal wieder kurzfristig absagt.

Mit dieser Regelung hat mein Leben eine ganz neue Freiheit, mehr Farbe bekommen. Was war das für eine Abhängigkeit, die da viel zu lange ihre schweren Schatten auf mich geworfen hat! Und diese fruchtlosen, zermürbenden, sinnlosen Diskussionen – über Jahre!

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“

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