Spieglein, Spieglein an der Wand

"Die Zauberwörter heißen Selbstreflexion und Selbstklärung“

Spieglein, Spieglein an der Wand…… Was wird nun werden? Was bleibt (von) mir übrig? 

Was ist „richtig“, was ist „falsch“ im Umgang mit den Kindern? 

Je besser es Eltern gelingt, ihr eigenes, erwachsenes Erleben von dem ihrer Kinder zu unterscheiden – und das so auch zu vermitteln –  desto größer ist die Chance, dass Kinder eine Elterntrennung unbeschadet verarbeiten können.

Für Eltern ist eine Trennung eine Lebenskrise, für Kinder eine Veränderung. Eine Veränderung, die sie mit ihren altersbedingten Möglichkeiten und Glaubenssätzen zu integrieren versuchen. Als ein solides Glied in der Kette ihrer Entwicklung, auf das noch viele weitere folgen werden.

TherapeutInnen sagen, dass es gelingen muss, die Erfahrungen einer Trennung in die Persönlichkeit zu „integrieren“. Damit ist gemeint, dass Konflikte und Herausforderungen, die einen Angriff auf unser gewohntes Lebenskonzept darstellen, so gelöst werden konnten, dass wir uns unseren neuen Lebensbedingungen angepasst haben. Fachleute sprechen von einer „integrierten Persönlichkeit“ im Sinne einer seelisch gesunden oder psychisch stabilen Persönlichkeit.

Die wichtigste Botschaft an die Kinder lautet daher immer: Es ist absolut ok, dass du uns beide liebst – du hast mit unserer Trennung nichts zu tun, und du musst dich nicht zwischen uns entscheiden! Manchmal trennen sich Eltern. Das ist traurig, aber schau mal, wen du alles kennst, bei denen es genauso ist. 

Wenn deine Kinder diese Haltung bei dir spüren, dann ist dies ein ganz festes Fundament für Eure Beziehung. 

Das klingt erstmal einfach, ist aber sehr schwer zu leben. Zu oft werden Erwachsene in einer Krise von ihren Ängsten, ihrer Wut und ihrer Enttäuschung überwältigt. Dann gibt es diese Stimme in unserer Seele, die schreit: „Sieh doch, was er/sie mir antut! Bitte, bitte, liebes Kind, sei doch auf meiner Seite!“ Das überhaupt erst einmal mitzubekommen und sich dem dann auch noch zu stellen ist Schwerstarbeit, denn das verlangt SELBSTREFLEXION oder auch SELBSTKLÄRUNG. 

Friedemann Schulz von Thun hat ein Modell zur Selbstreflexion entwickelt, das dabei sehr hilfreich sein kann: Das Modell des inneren Teams. 

Unser inneres Team hat viele Mitglieder, die angesichts von schwierigen Situationen und Entscheidungen oft in tumultartige Debatten verstrickt sind. Sie brauchen daher eine erwachsene, souveräne ModeratorIn, die darauf achtet, dass unser Verhalten an unseren Zielen ausgerichtet ist.  Er hat die Macht, allzu hitzige, wehleidige oder aggressive Mitglieder zu beschwichtigen und allzu ängstliche zu ermutigen. 

In unserem Fall hat die ModeratorIn das klare Ziel vor Augen, alles zu vermeiden, das bei Kindern Schuldgefühle  hervorrufen und sie in einen Loyalitätskonflikt stürzen könnte. Er hat die Fähigkeit, Verhaltenswünsche und Erwartungen unseres Teams im Hinblick auf das Wohl unserer Kinder zu überprüfen und zu filtern. 

Durch eine Trennung betreten Mitglieder wie der „Wutmuffel“ oder die „Rachefranzi“ unsere innere Bühne. Sie fordern Beistand und Unterstützung bei Auseinandersetzungen mit dem Ex-Partner ein. Sie klagen dessen Unfairness an, seine Gemeinheiten und Verletzungen, die sie durch ihn erleiden müssen. Sie sind es auch, die mich dann anpieksen, wenn mein Kind gerade ein Bild für den Papa malt, um es ihm bei seinem nächsten Besuch zu schenken, obwohl der mit gerade erst sehr wehgetan hat. 

Ein geübter Moderator sorgt dann dafür, dass die sich beruhigen. Keinesfalls wird er ihnen den Vorsitz einer inneren Sitzung überlassen, in der darüber entschieden wird, ob und wie ich dieses Gefühl meinem Kind gegenüber zum Ausdruck bringen werde. Er stärkt die besonnene Fraktion und mit deren Unterstützung gelingt es mir dann im Idealfall, meine Enttäuschung für mich zu behalten und mich einfach dafür zu interessieren, was das Kind da gemalt hat. 

Vielleicht bin ich aber gerade so verletzt, dass mein Team einen Kompromiss beschließt. Dann kann ich sinngemäß vielleicht zu sagen: „Also ich habe im Moment gar keine Lust, Papa so ein schönes Bild zu schenken, dafür habe ich mich gerade viel zu sehr über ihn geärgert – aber damit hast du ja nichts zu tun.“ 

Das ist authentisch – und spüren tut das Kind die Missstimmung ohnehin. So bekommt es eine Erklärung und muss sich nichts zusammenreimen, das es überfordert.

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