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"Essen, was auf den Tisch kommt“

Ernährung ist ein typisches Konfliktthema zwischen getrennten Eltern, das um die Pole Genuss und Gesundheit kreist. Für beide Extreme gibt es – aus der  jeweiligen Sicht - gute Argumente. Für die gesunde Entwicklung von Trennungskindern ist es entscheidend, wie Eltern mit diesem Konflikt auf der Erwachsenenbene umgehen.

Kinder können dem Thema Ernährung nicht ausweichen, und sie sind auf die Erwachsenen angewiesen. Sie müssen „essen, was auf den Tisch kommt“.  Ihnen in dieser Frage Verantwortung aufbürden zu wollen, stellt eine immense psychische Überforderung dar.

 Nachdem hier mit Josef (Ausgerechnet an Weihnachten) und Magda (Typisch Mann?) Eltern zu Wort gekommen sind, möchte ich heute Jonas‘ Erfahrungen mit diesem hoch explosiven Thema vorstellen.

Jonas ist ein 18-jähriges Trennungskind, und seine Erfahrungen machen deutlich, wie wichtig es ist, dass Eltern diesen Konflikt untereinander zu klären versuchen und welch traumatische Folgen es haben kann, wenn dies misslingt.

Trennungskind Jonas (18J.)

„Ich erinnere mich an eine Situation, da muss ich vielleicht so acht oder neun Jahre alt gewesen sein. Obwohl ich wusste, dass meine Mutter ausrasten würde, wenn sie davon erführe, freute ich mich über die regelmäßigen Ausflüge zu Mäckes. 

Ich kannte das Sortiment inzwischen auswendig, und wir überlegten schon auf dem Hinweg, was es denn dieses Mal sein sollte. Die Gimmicks in den Kindermenüs liebte und sammelte ich. Meiner Ma erzählte ich, die würden Robin und ich von dessen älterem Bruder bekommen. Sie fand sie zwar scheußlich, hatte sich aber damit abgefunden.

Anfangs hatte ich noch ein schlechtes Gewissen, aber mit der Zeit habe ich das für mich so verbucht, dass bei meinem Dad einfach andere Regeln galten. Das konnte ich gut auseinanderhalten: Bei ihm so und bei meiner Mutter anders.

Jedenfalls an einem Sonntagnachmittag – ich war vormittags von meinem Vater zurückgekommen – war Robin bei mir zu Besuch. Wir spielten mit den Heldenpuppen der Fastfood-Kette und fachsimpelten darüber, welche Figur wir bei unserem nächsten Ausflug dorthin wählen würden. Robin erzählte, dass sein Bruder ihm versprochen hatte, sich bei seinem nächsten Besuch auch für ein Kindermenü zu entscheiden. Er hatte schon eine von mir gleichfalls begehrte Figur bei ihm bestellt.

So versunken in unser Spiel und unsere Pläne haben wir nicht mitbekommen, dass meine Mutter unser Gespräch mit angehört hatte. Sie war stocksauer, schickte Robin nach Hause und wollte „reden“. Sie wollte wissen, wie oft wir Fastfood aßen und wie lange schon. Mama weinte und sagte, sie fühle sich hintergangen und sei sehr, sehr enttäuscht von mir.

Mir ging es so schlecht, dass ich mich in mein Bett zurückzog. Ich hatte meine Mutter hintergangen und belogen, und nun hatte ich auch noch meinen Vater verraten!

In der Nacht bekam ich Fieber und habe erbrochen. Meine Mutter stand mir bei. Sie sagte, das käme bestimmt von diesem „Fresszeugs“. Erleichtert stimmte ich ihr zu. Ja, das war, musste die Ursache sein. Ich schwor ihr, dass ich nie, nie wieder mit meinem Vater dort essen gehen würde.

Am nächsten Tag waren wir beim Kinderarzt. Meine Ma schilderte ihm unter Tränen, wie sehr sie sich um meine Gesundheit bemühe und wie gemein mein Vater diese Bemühungen heimtückisch torpediere. Ich saß daneben und schämte mich fürchterlich. Für mich, für meine Mutter, meinen Vater, diesen Auftritt, diese blöde Trennung – für alles! Sie wollte ein Attest, das meinem Vater künftig Fastfood verbieten würde.

Ich weiß nicht, wie das ausgegangen ist, aber ich kann mich sehr gut an die Szene erinnern, in der sich meine Eltern dann – meinetwegen- stritten. Meinetwegen, so kam es mir vor.
Ich war schuld,  hatte nicht aufgepasst, hatte meine Mutter so sehr verletzt und meinen Vater verraten! Ich glaube, da hat es angefangen, dass ich mir die Nägel abkaute, bis meine Nagelbetten bluteten. Ständig hatte ich Entzündungen, konnte manchmal den Stift nicht halten. Meine Schulleistungen litten. …“

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